Meister im Tischlerhandwerk

Anna Tannhäuser formt ihre Zukunft aus Holz

© André Wirsig

Heimat, Handwerk, Herzblut

Anna Tannhäuser formt ihre Zukunft aus Holz

Anna Tannhäuser aus Stolpen hat ihre Meisterschule in njumii - das Bildungszentrum des Handwerks in Dresden absolviert – und noch viel vor. Neben ihrem Studium zur Berufsschullehrerin macht sie sich für das Handwerk in ihrer Heimatstadt stark.

Es war ein außergewöhnlicher Blickfang in njumii- das Bildungszentrum des Handwerks im Dresdner Norden: Inmitten der zahlreichen Vitrinen und Tische, zwischen Sideboard und Heimbüro fiel Anna Tannhäusers Exponat im vergangenen Sommer bei der Ausstellung „Meisterhafte Kreationen“, bei der künftige Tischlermeister ihre Prüfungsstücke der Öffentlichkeit präsentieren, besonders auf. Einen Kinderwagen aus Holz hatte die seinerzeit noch angehende Meisterin ihres Fachs gebaut – voll funktionsfähig, zeitlos schön und mit allem, was ein Kinderwagen eben so braucht. Damit hatte die junge Frau nach ihren Prüfern auch die Ausstellungsbesucher zum Staunen gebracht.

Meisterschule neben Studium

Dinge umsetzen, die ihr wichtig sind, und dabei ihrem eigenen Kompass folgen – das beschreibt Anna Tannhäuser gut. Mit gerade 26 Jahren hat sie schon eine ganze Menge auf den Weg gebracht. Und sie ist gut darin, viele Fäden gleichzeitig in der Hand zu halten. Ihre Meisterschule in njumii, zu der neben dem fachpraktischen und dem fachtheoretischen Teil auch betriebswirtschaftliche und arbeitspädagogische Grundlagen gehören, hat sie neben ihrem Studium und in Teilzeit absolviert. Während sie ihren Meistertitel nach dem letzten Prüfungsteil inzwischen komplett in der Tasche hat, muss sie für ihren Studienabschluss noch weiterlernen. Ihr Ziel: Als Berufsschullehrerin ihr handwerkliches Wissen weitergeben. „Das klingt herausfordernd, ist aber deutlich weniger intensiv als eine Vollzeitstelle neben der Meisterausbildung“, sagt Anna Tannhäuser und verweist auf einige ihrer Mitstreiter in der Meisterschule, die genau diese Doppelbelastung bewältigen mussten.

Als Studentin und Handwerkerin ist sie in beiden Welten zu Hause und sieht dabei auch die Unterschiede, etwa, wenn es um die Kosten für ein Studium oder eine Weiterbildung im Handwerk geht. Was Anna Tannhäuser an ihrer Meisterausbildung in njumii – das Bildungszentrum des Handwerks besonders schätzte, war die enge persönliche Betreuung sowie der starke Zusammenhalt unter den Meisterschülern. Während des Baus ihres Meisterstücks hätten die Ausbilder stets ein offenes Ohr gehabt und ihr mit fachlichem Rat zur Seite gestanden. Noch immer denkt sie gern an die Zeit mit den anderen Meisterschülern und natürlich an die große Meisterausstellung zurück.

Herzensprojekt: Neuer Schwung für die Handwerkermeile

Inzwischen ist sie bereits mit einem neuen Herzensprojekt beschäftigt. Wenn ihre Heimatstadt Stolpen am 13. und 14. Juni zum Stadtfest einlädt, wird auch eine große Handwerkermeile locken. Anna Tannhäuser gehört zum „Netzwerk junges Handwerk“, einer Gruppe junger Handwerkerinnen und Handwerker, die sich um die Vorbereitung kümmert. Die Meile, die nun mit neuem Schwung organisiert wird, sei schon früher das Herzstück des Festes gewesen. „Ein Großteil meiner Familie war damals vertreten, und wir haben die Gemeinschaft sehr gelebt und genossen. Also Handwerk war schon immer irgendwie da in meinem Leben“, erinnert sich die Tischlermeisterin. Dass daraus auch einmal ihr Beruf werden würde, entschied sich aber erst nach dem Abitur und durch eine Empfehlung eines Freundes.

Bereut hat Anna Tannhäuser diese Entscheidung nicht. Dass sie nun auch dazu beitragen kann, die Handwerkermeile jedes Jahr wieder zu neuem Leben zu erwecken, freut sie besonders. Möglich wurde das Projekt durch „simul+Kreativ“- einen sächsischen Wettbewerb, der innovative Projektideen zur Stärkung der Regionen würdigt. Die daran geknüpfte Förderung kommt auch der Stolpener Handwerkermeile zugute. „Ich bin über einen Minijob als Projektkoordinatorin angestellt und versuche, die jungen Menschen zu vernetzen. Wir wachsen von Jahr zu Jahr. Das ist wunderbar“, sagt Anna Tannhäuser.

Zukunftspläne: Als Berufsschullehrerin handwerkliches Wissen weitergeben

Dinge gemeinsam auf den Weg zu bringen, ist ihr ebenfalls wichtig – und das nicht nur, wenn es um den Beruf geht. Mit ihrem Mann, auch er ist handwerklich begabt, lebt die junge Frau auf dem Hof ihrer Familie. Drei Generationen unter einem Dach sorgen hier für ein Geben und Nehmen. „Ich glaube, mein ganzes Leben ist gerade mein Hobby. Ich habe tolle Freundinnen und Freunde, eine wunderbare Familie, zwei herzerwärmende Ziegen und manchmal gehe ich noch Industrieklettern. Das ist auch ein lustiger Ausgleich und sehr vielseitig“, erzählt Anna Tannhäuser.

Ihre Heimatregion verlassen wollte sie noch nie. Schließlich lebe sie da, wo andere Urlaub machen. Nach ihrem Studienabschluss würde sie am liebsten in der Werkstatt einer Berufsschule unterrichten. „Durch die Vielseitigkeit des Berufes lerne ich wahrscheinlich niemals aus. Die Lernenden im dritten Lehrjahr eines Fensterbaubetriebes können auch mir noch viel zeigen“, ist sich die Studentin sicher. Auch ihren Beruf versteht sie als Geben und Nehmen – und sagt mit der spürbaren Begeisterung, die sie durch ihr Leben trägt: „Ich freue mich drauf!“

Informationsveranstaltung

An unserem Infoabend beantworten wir Fragen rund um die Meisterausbildung

Was bringt mir die Meisterausbildung? Wie soll ich mir die Meisterausbildung finanzieren? Bleibe ich in der Zeit weiter angestellt? – darauf geben wir Ihnen im kleinen Rahmen verbindliche Antworten, um Ihren Wunsch zur Meisterausbildung weiter zu untersetzen.

Der Infoabend findet jeden 2. Dienstag im Monat von 17 bis 18 Uhr online statt.

Termine und Anmeldung

nach oben