Peggy Unglaub
Kundenberaterin
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Julia Garten und Luisa Ratschinske haben in njumii - das Bildungszentrum des Handwerks in Dresden gemeinsam ihren Gold- und Silberschmiedemeisterkurs in Teilzeit gemacht. Heute führen sie ihre eigene Goldschmiede „Kollwitzgold“.
Das Freundschaftsarmband, der Ehering, die über Generationen weitergegebene Kette – kein Accessoire hat einen so großen emotionalen Wert wie ein Schmuckstück. Es steht für Beständigkeit, für Verbindung, für Menschen und Situationen, die unvergessen bleiben sollen.
Solche Erinnerungsstücke zu schaffen, ist etwas ganz Besonderes – da sind sich Julia Garten und Luisa Ratschinske einig. Die beiden Frauen sind Gold- und Silberschmiedemeisterinnen. Seit 2024 führen sie unter dem Namen „Kollwitzgold“ gemeinsam ihr eigenes Geschäft.
Kennengelernt haben sich die Berlinerinnen allerdings in Dresden, genauer gesagt, in njumii - das Bildungszentrum des Handwerks. Hier haben beide ihren Meisterkurs absolviert und sich damit einen erklärten Lebenstraum erfüllt. „Für mich stand schon früh fest: Mit 25 möchte ich Goldschmiedemeisterin sein – und bis heute habe ich alle meine Ziele erreicht“, so Luisa Ratschinske. Und auch für Julia Garten war die Meisterschule ein fest eingeplanter Schritt auf dem Berufsweg. „Nach vier Jahren als Gesellin wollte ich mich sowohl fachlich als auch persönlich weiterentwickeln, mein Wissen vertiefen und mein handwerkliches Können auf ein neues Niveau bringen“, sagt die 36-Jährige.
Beide haben allerdings auch erfahren, dass es gar nicht so leicht ist, in ihrem erklärten Traumberuf Fuß zu fassen. So seien die Ausbildungsplätze rar, weil auch die Zahl der Goldschmiedebetriebe rückläufig ist. „Ich habe damals meine Bewerbungsmappe zusammen mit selbst gefertigtem Schmuck aufs Fahrrad geschnallt und bin persönlich durch ganz Berlin von Goldschmiede zu Goldschmiede gefahren, um mich vorzustellen“, erzählt Julia Garten. Am Ende habe sich das ausgezahlt. Die nächste Hürde ließ allerdings nicht lange auf sich warten. Als sie ihre Lehre nach der Geburt ihres Kindes und der Elternzeit in Teilzeit fortsetzen wollte, schien das kaum möglich. Ein einziger Betrieb in Berlin bot der jungen Mutter die Chance dazu. „Dafür bin ich der Werkstattgalerie für Schmuck von Marc Schuld bis heute sehr dankbar“, sagt sie.
Nicht aufgeben, am eigenen Traum festhalten und sich stetig weiterentwickeln: Das beschreibt auch Luisa Ratschinske. Die heute 27-Jährige begeisterte sich schon als Kind für kreatives Gestalten, Formen und Materialien. Während ihrer Goldschmiedeausbildung bei Schmuckwerk Richter und Beckmann im unterfränkischen Volkach erlernte sie die handwerklichen Grundlagen, die ihr Können bis heute prägen. Ein zweiwöchiges Silberschmiede-Praktikum in der Gold- und Silberschmiede der Abtei Münsterschwarzach sowie ein Erasmus-Austausch in Finnland erweiterten ihr Wissen um weitere Techniken, darunter das Emaillieren. Ihre Gesellenprüfung schloss sie, wie von ihr angestrebt, als Kammersiegerin ab.
Dass sie und Julia ihren Meisterabschluss gemeinsam in Dresden absolvieren konnten, empfinden beide als großes Glück. „njumii - das Bildungszentrum des Handwerks in Dresden ist das einzige Bildungszentrum in Deutschland, das die fachspezifischen Meisterkurse für Gold- und Silberschmiede in Teilzeit anbietet. Für uns war dieses flexible Modell die ideale Möglichkeit, den Meisterabschluss mit unserer Tätigkeit als Gesellinnen zu verbinden. Jeden Freitag und Samstag sind wir dafür nach Dresden gefahren und hatten Unterricht“, erinnert sich Julia Garten.
Weil es im Gold- und Silberschmiedehandwerk keine sogenannte Meisterpflicht gibt, geht längst nicht jeder Geselle diesen Weg. „Deshalb war es keineswegs selbstverständlich, dass unser Kurs überhaupt zustande kam. Wir waren sechs Teilnehmerinnen und hatten großes Glück“, so die Einschätzung der beiden Frauen, die bis heute gern an die Zeit in Dresden zurückdenken.
Die Meisterschule in njumii – das Bildungszentrum des Handwerks verbindet fundiertes Fachwissen mit praxisnahen Einblicken. Neben Werkstoffkunde sowie technischen und gestalterischen Inhalten erweitern die angehenden Gold- und Silberschmiedemeister ihr Können durch besondere Einblicke in die Praxis. Bei praxisorientierten Exkursionen, beispielsweise ins Grüne Gewölbe oder in die terra mineralia, setzen sich die Teilnehmenden mit historischen Schmuckschätzen, Edelsteinen und Mineralien auseinander. Auch spezielle handwerkliche Verfahren wie das Galvanisieren lernen sie direkt in der Werkstatt erfahrener Dozenten kennen. Darüber hinaus erwerben die angehenden Meister wichtige Kenntnisse für die Abwicklung von Aufträgen sowie die Führung und Organisation eines eigenen Betriebs. Am Ende stehen natürlich das Meisterstück und die Prüfung. Beides haben die beiden Berlinerinnen im wahrsten Sinne des Wortes sehr gut gemeistert.
Doch nicht nur ihre Meisterstücke – eine Gürtelschnalle und einen Füller – erinnern Luisa Ratschinske und Julia Garten immer an die Zeit in Dresden. Durch die gemeinsame Zeit in der Meisterschule haben die beiden Frauen gemerkt, dass sie menschlich wie fachlich ziemlich gut zusammenpassen. Noch während sie in Teilzeit die Meisterschulbank in Dresden drückten, gründeten sie 2024 ihre eigene Goldschmiede. „Wild“ sei diese Zeit gewesen. Die Prüfungen, das Meisterstück, das Warten auf den beantragten Kredit und schließlich das Gefühl, Verantwortung für das eigene Geschäft zu tragen – das sei ziemlich viel auf einmal gewesen. Bereut haben sie den Schritt trotzdem nicht.
„Rückblickend war die Entscheidung, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen, eine der besten meines Lebens. Ich bin sowohl fachlich als auch persönlich sehr daran gewachsen“, schätzt Julia Garten ein, die sich als nächstes das Ziel gesetzt hat, einen Edelsteinfasserkurs zu besuchen. Beide geben freimütig zu, dass sie jeden Tag dazulernen – vor allem auch mit Blick auf die Aufgabe, selbst einen Lehrling auszubilden.
Die Liebe zu ihrem Handwerk weiterzugeben, fällt den Frauen indes leicht. Die Verbindung von technischer Präzision und die Gewissheit, etwas von bleibendem Wert zu schaffen, macht für Julia Garten und Luisa Ratschinske den Kern ihres Berufes aus.
„Bis heute kann ich nicht nachvollziehen, weshalb eine Ausbildung im Vergleich zu einem Studium oft als weniger wertvoll betrachtet wird. Auch eine handwerkliche Ausbildung kann der Beginn einer erfüllenden beruflichen Laufbahn sein, in der man seine Berufung findet, erfolgreich arbeitet und seinen Lebensunterhalt verdient“, bringt es Julia Garten auf den Punkt. Njumii - das Bildungszentrum des Handwerks war für beide dabei eine der wichtigsten Stationen auf ihrem persönlichen Weg zu ihrem Traumberuf.
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